Kategorie-Archiv: linguistics

ich hätte spontan vermutlich eher an ‚tagträumen‘ gedacht.

[…] die gegenheiten der wirklichkeit ? und natürlich auch die auf sie bezüglichen vorstellungen ? sind zu komplex und vielseitig, als daß die sprache sie unmittelbar (und damit auch ganzheitlich) erfassen könnte; daher wird ein subjektiv dominierendes merkmal herausgehoben und zum symbol eines ganzen erhoben. […]
mehr noch als zeitlich getrennte oder gleichzeitige einzelhandlungen […] werden zustände, eigenschaften oder tätigkeiten mit den zugehörigen örtlichkeiten oder ursachen (urheber, instrument, organ) als eine einheit empfunden und sprachlich demgemäß behandelt; auch hier kann ein wichtiges element zum sprachlichen symbol des ganzen oder eines anderen teies werden. […]
da sind zunächst die sog. ausdrucksbewegungen zu nennen, worunter man die körperlichen begleiterscheinungen psychischer vorgänge, besonders gesteigerte gefühle (affekte) versteht, u.u. aber auch äußere merkmale von krankhaften zuständen körperlicher und geistiger art. d.h. zittern, erbleichen, erröten, fieberhitze usw. […]
weitgehend und instruktiv ist auch hier die übereinstimmung mit der kindersprache. von kinderpsychologen werden beobachtungen berichtet wie etwa diese: beim betrachten einer abgebildeten kuh mit übergroßen augen sagt ein kind: „die kuh denkt etwas.“ […] tatsächlich starrt man ja beim nachdenken mitunter mit weit geöffneten augen auf einen punkt; dies kommt in der sprache des kindes ebenso zum ausdruck wie etwa bei den sumerern, in deren sprache igi-gal „weise“ bedeutet, eigentlich „großes auge“ (= einer, der oft nachdenkt). […]

wirft gleich einen ganz anderen blick auf kühe. 🙂

aus: kronasser, heinz [1952]: handbuch der semasiologie. kurze einführung in die geschichte, problematik und terminologie der bedeutungslehre. 2., unveränd. aufl. heidelberg: winter 1968. s. 95f. hervorhebung in fett von mir.

1945 kanji, hängend

kanjiplakatdetail

nach seinem erwerb über den lektor des japanisch-kurses, den ich vor jahren gemacht hab, fristete es jahrelang ein dasein in einer plakatrolle; nur einmal rausgeholt für ein paar schwarzweißkopien z.b. fürs ulb-büro.
vor ein paar tagen habe ich mir endlich ein herz genommen und es zum rahmen gebracht; aufgrund der größe aber nur laminiert, ohne glas.
und seit vorhin hängt es endlich: mein jôyô-kanji-plakat!

kanjiplakat

wenn, dann hatte er wohl einen schlechten tag.

im neulich schonmal erwähnten aufsatz fand sich noch was anderes lustiges:
im east cree gibt es das morphem -eyi-, das zur markierung von mentalen prozessen dient und sich daher u.a. in vielen mentalen verben wiederfindet.
so weit, so normal.
aber: es findet sich auch in einigen wetter-verben!
weil: nach traditioneller cree-auffassung wird das wetter von bestimmten geistern bestimmt – die natürlich ihren eigenen kopf haben.

ob sich bei unserem derzeitigen wetter auch irgend ein geist was dabei gedacht hat?

sachverhalte, über die ich bislang noch nicht nachgedacht hab. folge 32987.

da die in der zukunft liegenden zeiten uns entgegensehen, sind die diesen zeiten folgenden zeiten weiter weg in der zukunft, und alle in der zukunft liegenden zeiten folgen auf die gegenwärtigen zeiten. deshalb bedeutet der ausdruck die folgenden wochen dasselbe wie die vor uns liegenden wochen.

(aus: lakoff, george / johnson, mark [1980]: leben in metaphern. konstruktion und gebrauch von sprachbildern. 3. Aufl. heidelberg: auer 2003. [orig. ersch. 1980 u.d.t. metaphors we live by. chicago: the university of chicago press.] s. 55.)

diesen absatz mußte ich freitag abend bei der bettlektüre drei mal anfangen – und habe daraufhin beschlossen, daß es wohl zeit fürs lichtausmachen war.
zudem weiß ich gar nicht mehr, warum ich mir dieses werk überhaupt auf deutsch gekauft habe. irgendwie klingt die übersetzung komisch. aber das könnte auch daran liegen, das man sonst fast nur noch englische uni-literatur liest.

viel problemetischer als vor einem liegende und folgende zeiten find ich aber nachwievor die frage, warum die zeit am wochenende viel schneller rumgeht als von montags bis freitags. 🙂

andere länder, andere sitten. folge 732529.

Notice the association of the feeling of jealousy with the porcupine in (42a).

(42) a.   kaahkweyimeu.
  kaahkw-eyi-m-e-u (VTA)
  porcupine-think-TA final-TA direct.3>3′-3
  ’she/he is jealous of her/him.‘

eifersüchtig wie ein stachelschwein. nee klar. 🙂

aus: junker, marie-odile (2003): „a native american view of the „mind“ as seen in the lexicon of cognition in east cree“. in: cognitive linguistics 14,2-3 (2003). s. 167-194. hier: s. 182.

wo nicht überall wissen stecken kann. heute: die leber.

There is evidence from some languages that use ‚hear‘ for ‚know‘ that the use is confined to cases where the sensory modality giving rise to the knowledge is hearing. […] Another example is Gugu Yalanji, in which nyajil ’see, hear‘ is also used for knowledge reached through these senses, whereas knowledge reached by other means is expressed as jibabu nyajil ‚to know without seeing or hearing anything‘, literally ’see/hear with the liver‘.“

der satz „mari doctorangka jiba-bu nyajil yina jalbu wulay“, ‚der medizinman weiß instinktiv, daß die frau sterben wird‘, heißt wörtlich also ‚der medizinman sieht mit der leber, daß die frau sterben wird‘.
🙂

in: evans, nicholas / wilkins, david (2000): „in the mind’s ear: the semantic extensions of perception verbs in australian languages“. in: language 76.3 (2000). s. 546-592. hier: s. 570.

forscherprobleme. folge 592387.

five respondents were excluded because they handed in their papers without answering most of the items, or because it was noticed that they did not thake the whole task serious.

bei 35 probanden ist ein verlust von 5 schon ziemlich signifikant … 🙂

aus: fareh, shehdeh / bin moussa, maher (2007): „practicality and usefulness of english-arabic dictionaries in translating english metaphors“. in: babel 53.1 (2007). s. 32-47. hier: s. 36.